Der SKD zu Autorität, Hierarchie und zur Praxis der Gürtelprüfungen
Graduierungen als nach außen getragene Rangabstufungen im Sinne einer feudalen oder militärischen Struktur der Hierarachie, wie sie heute noch immer als Mittel der Gleichschaltung und der Einschüchterung im Übungsablauf der ostasiatischen Kampfdisziplinen eingesetzt werden, betrachtet der SKD als obsolet und abwegig in bezug auf das Anliegen, Karate als Bewegungskunst und damit als Möglichkeit einer tiefen Körpererfahrung zu vermitteln.
Hierarchie auf der Basis von Obrigkeitsgläubigkeit und Untertanengeist erzeugt Angst, hemmt die eigene Entscheidungsfähigkeit und Verantwortung und fördert so eine bestimmte Form der Feigheit, die einer gruppenbezogenen Aggressivität dient und die in den Dienst auch der verwerflichsten Ideologie gestellt werden kann.
Darüber hinaus wendet sich der SKD gegen Konkurrenzdenken und besonders gegen das Konkurrenzverhalten unter den Übenden. Es geht nicht darum, sich mit anderen zu messen, sondern sich seiner personalen Identität in den Bewegungen des Karate zu vergegenwärtigen und diese zu entwickeln, was letztlich nur ein Lehren und Lernen im "entspannten Feld", ohne Konkurrenzdruck und autoritäre Reglementierung ermöglichen kann. Selbstständigkeit und zugleich eine (selbst)kritische Haltung zu fördern sowie Mut und Zivilcourage zu bestärken, sind die wesentlichen Bezugspunkte einer Beschäftigung mit der KarateKunst im Sinne des SKD, die mit der Ausbildung der körperlichen Fähigkeiten einhergehen. Anstatt sich von vorn herein einem (An)Führer zu unterwerfen, ist eine Sensibilisierung dafür angestrebt, wo außergewöhnliches Vermögen und Urheberschaft (auctoritas) mit wahrer (mit-)menschlicher Größe, die sich immer in gegenseitigem Respekt ausdrückt, verbunden ist . Dies ist unser Begriff von Meisterschaft als Voraussetzungh für die Autorität als Lehrer, der sich nicht auf sportpraktische Fähigkeiten beschränkt, sondern den ganzen Menschen im Einsatz für den Anderen in der Lehre fordert. In diesem Sinne ist einer unangemessen Privilegierung bloß sportlicher Qualitäten und bereichsspezifischer Qualifikationen, aber auch Ansprüchen entgegenzuwirken, die sich arrogant auf Wissen und Können berufen.
Der SKD vermeidet daher - soweit möglich - Abgrenzungen, die sich in äußeren Merkmalen ausdrücken, ohne jedoch damit schon auf einen positiven Aspekt der Kyu- und Dan-Qualifikationen zu verzichten, der in der schubweisen Motivation liegt, die eine regelmäßige Präsentation und Selbstvergewisserung des Gelernten mit sich bringt. Es ist den Mitgliedern des SKD freigestellt, farbige Gürtel zu tragen, im SKD-Honbu-Dojo sind jedoch alle Kyu-Grade mit dem weißen Gürtel verbunden, alle Dan-Grade mit dem schwarzen, der im Rahmen des SKDs immer zugleich Ausdruck einer der Befähigung zur Lehre in der KarateKunst auf der jeweiligen Stufe ist und eine gewisse Verpflichtung zur Begleitung anderer auf ihrem Weg darstellt. Den schwarzen Gürtel hat man nicht nur für sich selbst und um von anderen dafür bewundert zu werden, vielmehr sind diese Grade mit der Verpflichtung verbunden, auf dem jeweiligen Niveau (1., 2., 3. ... Dan) sein Wissen und seine Erfahrungen an andere weiterzugeben - so die Auffassung des SKDs.
Kyu-Prüfungen im herkömmlichen Sinne führt der SKD nicht durch, weil hier in der Regel etwas abgeprüft wird, was eigentlich noch gar nicht prüfbar ist: die wesentlichen Vermögen einer neuen Bewegungsqualität, um die es dem SKD vor allem geht, die hier gerade erst zu entwickeln beginnen und behutsam zu fördern sind. Im Anfangsstadium führt eine "formalisierende Prüfungsmentalität" geradezu zur Prüfung von Unzulänglichkeiten der Bewegungsqualität, die im schlimmsten Falle das Selbstwertgefühl der Geprüften/ des Geprüften herabsetzen und so kontraproduktiv in bezug auf die Selbstbezogenheit der eigenen Bewegung und damit auf den Weg zum "eigenen Bewegungsursprung" wirken kann. Deshalb sprechen wir im SKD von Kyu-Qualifizierung, bei der die Kandidatin/ der Kandidat innerhalb der vorgeschriebenen Rahmenbedingungen sein Vermögen in der KarateKunst demonstriert und dabei von jemandem, der auf diesen Weg schon weiter ist, kritsch und zugleich einfühlsam begleitet wird.
Rahmenrichtlinien für Kyu-Qualifizierungen
Beispiel aus der Praxis der neuen Kyu-Qualifizierung
Shotokai-Dan-Prüfungen sind
dagegen Prüfungen im herkömmlichen Sinne, bei denen jedoch
nicht bloß eine äußere technische Ausführung, sondern das
Einfühlungsvermögen in den eigenen Körper beim Bewegen und das
Verständis für die Karatebewegung gefragt ist, das sich in der
praktischen Demonstration ausdrückt. Bezüglich der
Verteidigungsdimension der KarateKunst steht das Vermögen im
Vordergrund, Angriffe weich aufzunehmen, ihnen auszuweichen und
mit der Energie des Angriffs so zu arbeiten, daß möglichst
wenig Kraft und schon gar keine Brachialgewalt im Spiel ist.
Blocktechniken sind auf die Fälle zu reduzieren, in denen
weichere Verteidigungsmethoden nicht mehr greifen.
Da Dan-Grade die Voraussetzung einer qualifizierten
Lehrtätigkeit sind, werden hier strenge Kriteren angesetzt.
Karate-Kyu- und Dan-Qualifikationen anerkannter, die im einzelnen
vom Lehrausschuß zu benennen sind, können unter bestimmten
Bedingungen anerkannt werden.